Bürgerentscheid. Am 18. Oktober entscheiden Sie.
Die Frage auf Ihrem Stimmzettel wird lauten:
Sind Sie gegen das vom Gemeinderat am 17. Juni 2009
beschlossene Projekt zum städtischen Hallen-Freibad
Hechingen, PPP öffentlich-private Partnerschaft, welches
die Sanierung und Erweiterung des Bades und dessen
Betrieb durch den Privatinvestor auf die Dauer von
30 Jahren vorsieht?
Entscheiden Sie sich für ein Schwimmbad
in Bürgerhand, weil...
... weil wir ein Bad wollen und kein Gewerbeunternehmen.
... weil das Bad zur Daseinsfürsorge einer Kommune gehört.
... weil wir unser schönes Bad nicht verlieren wollen.
Lassen Sie sich nicht täuschen:
Das Bad bricht nicht über Nacht zusammen.
Hallenbad und Freibad können zeitlich getrennt saniert werden.
Kein PPP-Risiko!
Für 4,4 Mill. Euro kann das Bad im Bestand saniert werden!
Das Freibad wird mit PPP nicht schöner und nicht besser.
PPP saniert auch nur im Bestand.
PPP birgt große Risiken
…die Kosten und Einnahmen sind unkalkulierbar.
Die fehlgeschlagenen PPP-Projekte in Miesburg, Leimen,
Lüdinghausen und Lingenau schrecken ab.
PPP-Modell
Die Stadt verpflichtet sich 30 Jahre lang:2. Betriebskostenzuschuss jährlich
Gesamtverpflichtung jährlich
3. Grundschuldabsicherung (Hypothek) für die Zubauten des Investors (Sauna, Fitness, Therapie-Räume)Scheitert der Investor muß die Stadt ohne Widerspruch den Investitionszuschuss über 613.000 € weiter bezahlen und die Grundschuld über 2,5 Mill. € einlösen.
380.000 €
993.000 €
2,5 Mill. €Das große Risiko:
Städtische Sanierung des Bades im Bestand
Nach den öffentlichen Unterlagen der Stadt kostet die Sanierung des Hallen- und Freibades in Eigenregie mit dem Energieeinspar-Contracting-Modell (Ing. Büro Fritz Urach/KEA-BW Karlsruhe):Anteil Energieeinspar-Contracting
Anteil Stadt Hechingen
2. Sanierung des Freibades
Mit neuem Schwimmer-, Nichtschwimmer-
und Sprungbecken
Sanierung im Bestand
Anteil Energieeinspar-Contracting
Anteil Stadt Hechingen
Gesamt-Investitionskosten
Der Kapitaldienst für die Investition von 4,4 Mill. Euro beträgt auf 30 Jahre gerechnet jährlich
1.742.250 €
2.902.145 €
3.002.857 €
2.097.600 €
575.000 €
1.522.600 €
4.400.000 €
243.000 €
Schwimmbad Förderverein Hechingen
zum Anbau eines Kinderbades an das Hallenbad. Der Anbau kostet ca. 250.000 €. Die Initiative hat dazu eine gemeinnützige Satzung vorbereitet.
Wie kommen Sie zu einer Sauna?
Die Ing. Büros für Bäderbau in Urach, Baden-Baden, Karlsruhe stimmen überein: eine Saunalandschaft, einem Bad angegliedert, bringt ab der ersten Stunde Gewinn und finanziert sich selbst. Verdienen wir selber das Geld! Lassen wir die Sauna z.B. von den Stadtwerken oder Anderen bauen. Für gewinnbringende Geschäfte brauchen wir PPP nicht.Merke:
Erfolgreiche Energie-Contracting-Modelle sind das Fauler Bad in Freiburg und das Hallenbad Haslach: Energieeinsparung bis zu 50%.
Das PPP-Projekt Hallen-Freibad – eine kurze Chronologie
Auf s.a.b. als Partner stieß die Stadt 2008 nach einem europaweiten Auswahlverfahren. Nachrichten über gescheiterte andere Projekte der Friedrichshafener machten Bürger misstrauisch und führten zur Gründung einer Bürgerinitiative.
Ein Bürgerentscheid am 18. Oktober 2009 brachte zwar eine klare 3554:1308-Mehrheit gegen PPP, scheiterte aber wegen 33 fehlender Stimmen am Quorum. Vier Wochen später bekräftigte der Gemeinderat mit der denkbar knappsten Mehrheit (15:14) sein Festhalten am PPP-Projekt.
Auf die entscheidende Bremse trat die Kommunalaufsicht im Landratsamt, die dem Vorhaben am 26. Mai 2010 die Genehmigung versagte, weil die langfristigen Haushaltsrisiken zu groß seien.
Im Juli 2010 verabschiedete sich auch der Hechinger Gemeinderat von PPP. Mit knapper Mehrheit lehnte das Gremium weitere Verhandlungen zu einer Nachbesserung der Pläne ab.
Allerdings: Um sich vor Schadensersatzforderungen seitens der Firma s.a.b. zu schützen, legte die Stadt im August 2010 Widerspruch gegen das Nein des Landratsamtes ein.
Das Landratsamt ließ sich nicht erweichen und bekräftigte am 16. November 2010 seine Ablehnung des Projekts.
Die nächste Instanz, das Regierungspräsidium, hat lange geprüft, zumal Hechingen auf verbesserte Haushaltszahlen wegen des Wirtschaftsaufschwungs setzte. Doch jetzt hat auch das RP der Stadt einen Korb gegeben.
Quelle: Hohenzollerieche Zeitung Mittwoch den 6. April 2011
Tübingen: PPP zu riskant
Regierungspräsidium bestätigt die Linie des LandratsamtesNach dem Landratsamt hat nun auch das Tübinger Regierungspräsidium zum Hechinger PPP-Projekt Hallen-Freibad Nein gesagt. Begründung: Das Vorhaben würde die Zollernstadt auf Dauer finanziell überfordern.
…Das RP verweist darauf, dass die Stadt bei einem Investitionsvolumen von rund 10,7 Millionen Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg jährlich etwa 1,02 Millionen Euro an Zinsen, Tilgung und Betriebskostenzuschuss bezahlen müsste. Dies, so die Auffassung der Tübinger Prüfer, könne die Leistungsfähigkeit des Hechinger Haushaltes „erheblich gefährden“ – „insbesondere wegen vorhandener Risiken und der langen Laufzeit“ des Vertrages mit s.a.b. von 30 Jahren.
Entscheidend, so betont das Regierungspräsidium, sei „nicht die Frage der Wirtschaftlichkeit des PPP-Modells im Vergleich zu einer konventionellen Finanzierung, sondern vielmehr inwieweit die nachhaltige Leistungsfähigkeit des städtischen Haushalts angesichts eines solchen Projekts sichergestellt ist und bleibt“. Und eben diese Gretchenfrage haben die Prüfer verneint.
Kein PPP für Hechingen: Bürgermeister Jürgen Weber(links) ist nach dem Günther-Martin Pauli geführten Landratsamt nun auch vom Regierungspräsidium unter der Regie von Hermann Strampfer (rechts) ausgebremst worden.
Foto: Kromer Quelle: Auszug aus der Hohenzollerische Zeitung Mittwoch den 6. April 2011
Die s.a.b. will 1,5 Millionen
PPP-Partner stellt Regressansprüche – Stadt schaltet Versicherung einAm Tag nach Bekanntgabe der Kosten für die Sanierung des Hallen-Freibads ist die Stadt Hechingen damit herausgerückt, dass ihr früherer PPP-Partner, die Firma s.a.b., 1,5 Millionen Euro Regressansprüche stellt.
…Wie bereits in der gestrigen HZ berichtet, packt die Stadt Hechingen die millionenschwere Sanierung von Hallenbad und Freibad nach dem gescheiterten Ausflug in die private Partnerschaft jetzt notgedrungen wieder allein an. Ob man sich durch ein Contracting-Modell, zum Beispiel mit dem Eigenbetrieb Stadtwerke, einen Finanzpartner für den Technikbereich holt, muss noch geprüft werden. Die günstigste Sanierung in Eigenregie soll 8,2 Millionen Euro kosten.
vom Samstag den 1. Oktober 2011
Zwischenruf – PPP – S P Ä T F O L G E N
Wenn das kein merkwürdiges Zusammentreffen ist: Just in der Woche, in der die Stadt dem Gemeinderat die Kosten für die Schwimmbadsanierung in Eigenregie präsentiert, rückt deren früherer PPP-Partner endlich mit seinen angedrohten Regressansprüchen heraus. Ein sattes halbes Jahr hat sich die Firma vom Bodensee Zeit gelassen, um die Hand aufzuhalten. Die Öffentlichkeit wiederum erfährt von diesem Schreiben erst vier Tage später, nach der Gemeinderatssitzung. Das ist nun wirklich kein guter Stil.
Eineinhalb Millionen verlangen und diese auch bekommen, sind erstmals zwei Paar Stiefel. Die Schwimmbad-Experten aus Friedrichshafen sind zwar bereit zu verhandeln und wollen eine einvernehmliche Regelung. Das freilich sind die üblichen Worthülsen.
Wie sehr Hechingen am Ende bluten muss für den Ausflug in die private Partnerschaft, ist völlig offen. Viel hängt davon ab, wie weit sich die Stadt gegenüber dem zukünftigen Partner aus dem Fenster gelehnt hat. Dazu jedoch fehlen nach wie vor konkrete Angaben aus dem Rathaus. Angesichts der Abenteuerlust in Sachen PPP schwant einem Düsteres.
Für den scheidenden Bürgermeister sind die eineinhalb Millionen Euro kein schönes Abschiedsgeschenk. Richtig unleidig sind diese Spätfolgen als Willkommenspräsent fürs neue Stadtoberhaupt. Alle Bewerber haben sich zwar konsequent gegen PPP ausgesprochen. Aber das hilft leider auch nichts mehr.
Quelle: Hohenzollerische Zeitung vom Samstag den 1. Oktober 2011